Vorbild und Mutmacher

Vorbild und Mutmacher

Dogan Kayar hat sich vor vier Jahren auf den Weg gemacht. Trotz sprachlicher und kultureller Herausforderungen absolvierte er als Quereinsteiger eine berufsbegleitende Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher. Seine Geschichte zeigt, wie man sich mit Mut und Unterstützung weiterentwickeln kann.

Dogan Kayar hat ausgezeichnete zwischenmenschliche Fähigkeiten. Das bewegte ihn dazu, 2013 als pädagogischer Mitarbeiter in der Nieder-Beerbacher Straße 47 in Mühltal (früher „Sonnenhof 2“) anzufangen. In dieser Wohngruppe werden sogenannte „Junge Wilde“ betreut – junge Erwachsene mit leichten Lernbehinderungen und schwierigen Verhaltensweisen. „… eine inhaltlich und fachlich anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe“, schildert die zuständige Wohnverbundleitung Andreas Münch. Schon nach wenigen Monaten wurde Dogan Kayar bewusst, dass er ohne eine entsprechende Ausbildung kaum Aufstiegschancen hatte. „Die beruflichen Anforderungen sind hoch, mir fehlte die Fachkompetenz. Ich habe gemerkt: Ich muss etwas tun“, erzählt Dogan Kayar, der vor 27 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam.

Bei einer Infoveranstaltung an der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift, die mit der NRD zusammenarbeitet, wurde er auf das Angebot einer berufsbegleitenden Teilzeit-Ausbildung als staatlich anerkannter Erzieher/in aufmerksam. Da er eine Familie mit zwei Kindern hatte - heute 20 und 22 Jahre alt -, kam ihm dieses Modell sehr entgegen. Durch die berufsbegleitende 3-jährige Fortbildung konnte der 49-Jährige gleichzeitig einer 75-Prozent-Stelle bei der NRD nachgehen. Thorsten Kolb, Leiter der Wohngruppe, ermutigte ihn: Wir bekommen das hin“. Trotz der sprachlichen und kulturellen Unterschiede machte sich Dogan Kayar vor vier Jahren auf den Weg und startete mit der Qualifizierung und Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher. Er war froh über die Unterstützung durch die NRD: die Übernahme der Schulgebühren durch seinen Arbeitgeber, die Mentorenschaft eines Mitarbeiters aus der Nachbar-Wohngruppe sowie die Rücksichtnahme bei der Erstellung des Dienstplanes durch Thorsten Kolb.

Wie war das für ihn, noch mal die Schulbank zu drücken? „Am 1. Tag habe ich mir gesagt: Ich schaffe es. Wenn man Interesse an einem Thema hat, kann man das auch lernen“. Und Christiane Delp vom Personalmanagement erinnert sich daran, wie stolz und strahlend der Mitarbeiter mit seinem Vertrag der Pädagogischen Akademie vor ihr stand.

„Die Fortbildung war eine tolle Phase, um mich selbst zu entwickeln. Ich habe Kompetenzen bezüglich meiner Sprache, Analysemöglichkeiten und bezüglich meines Wissens enorm erweitert“. Die vier Jahre waren nicht immer einfach, kam auch noch die Corona-Pandemie dazwischen und die Kinder kamen in die Pubertät. Aber auch die Lehrkräfte der Akademie haben ihn sehr unterstützt. Sein Anerkennungsjahr machte er ebenfalls in der Nieder-Beerbacher Straße 47. Rückblickend erzählt er, wie dankbar er für seine Erlebnisse ist. Er sei selbstbewusster geworden, könne sich besser orientieren und hätte auch viel für sein Privatleben und den Umgang mit seinen Kindern, die heute beide studieren, gelernt.

Auch Thorsten Kolb bestätigt, wie stark sich sein Mitarbeiter weiterentwickelt hat. „Interesse, Empathie und Respekt vor den Menschen brachte er schon mit. Jetzt hat er noch das Fachwissen on top und kann seine Arbeit reflektieren und zielorientiert arbeiten. Auch bei Diskussionen bringt er sich inhaltlich mehr ein“. „Herr Kayar hat heute ein ganz anderes Standing“, fügt auch Andreas Münch hinzu.

Den Menschen, die ihn auf seinem 4-jährigen Weg begleitet und unterstützt haben, ist Dogan Kayar dankbar. Im September 2023 hielt er sein Zeugnis der Pädagogischen Akademie in der Hand – die Fortbildung hat er mit einer 1,5 abgeschlossen. „Mein Erfolg gehört nicht nur einer Person. Mich haben viele Menschen bei der NRD unterstützt und meine Stärken gesehen.“

Dogan Kayar möchte ein Vorbild für andere Mitarbeitende und für Quereinsteiger sein: „Egal welches Alter ihr habt, nutzt die Chancen und bildet euch weiter. Die NRD ist bereit, ihre Mitarbeitenden zu unterstützen, damit sie sich weiterentwickeln. Für mich war es die beste Entscheidung, diese Ausbildung gemacht zu haben.“

 
  • Inklusion...

    ... bedeutet, dass es keine Grenze gibt, die "behindert" von "nicht-behindert" unterscheidet. Das Wichtigste, um Inklusion zu erreichen, ist Zusammensein von Anfang an. 

    Inklusion...
    Andrea Söller,
    Vorsitzende Werkstattrat der Mühltal-Werkstätten
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