Es gibt immer einen Weg

Es gibt immer einen Weg

Die Regionalisierung der Wohnangebote der NRD erfordert von allen Mitarbeitern die Bereitschaft, Änderungen mitzutragen und mitzugestalten. Katja Mäder stellt sich diesen Herausforderungen und packt die Dinge mit Zuversicht an, denn aus eigener Erfahrung weiß sie "Es gibt immer einen Weg".

Dass das Haus Arche auf dem NRD-Gelände in Mühltal und auch die Wohnanlage im Pulvermühlenweg im Zuge der Regionalisierung geschlossen werden, ist schon lange klar. Jetzt rücken Veränderungen in den beiden Häusern in greifbare Nähe. Für die jeweils rund 80 BewohnerInnen in beiden Häusern werden passende Ziele gesucht – in den neu entstehenden Wohnprojekten in Babenhausen, Groß-Zimmern, Dreieich, Darmstadt Lincolnsiedlung, aber auch in bestehenden Häusern in Offenbach, Groß-Gerau, Mörfelden und Erbach , wenn dort Plätze frei werden. Diesen Prozess für die Pulvermühle zu managen ist die Aufgabe von Wohnverbundsleiterin Katja Mäder, 50. Sie ist außerdem für die 12 Wohnplätze im renovierten Haus Sonnenhof 2 und die letzten acht BewohnerInnen im Bodelschwingh-Haus zuständig.

Klar, dass in den Häusern im Pulvermühlenweg 19, 21, 23 und 25 entsprechende Unruhe herrscht. „Mein Tagesgeschäft besteht zurzeit vor allem darin, Gespräche zu führen“, sagt Katja Mäder. Sie ist gut darin, Zuversicht zu verbreiten, denn sie weiß aus eigener Erfahrung: Es gibt immer einen Weg.

Ihr Weg in die NRD vollzog sich 1994 auf erstaunliche Weise. Weil die Arztpraxis, in der sie als Krankenschwester tätig war, sich auflöste, hatte sie sich arbeitslos gemeldet und freute sich darauf, sich einige Wochen lang ausschließlich ihrer kleinen Tochter widmen zu können. Doch schon am nächsten Tag kam ein Anruf vom Arbeitsamt: Ein Stellenangebot aus der NRD.

Die Hausleiterin, mit der sie im Haus Magdala verabredet war, erschien nicht zum vereinbarten Termin, stattdessen begegnete Katja Mäder der frisch gebackenen Hausleiterin der neu eröffneten Pulvermühle, Ulrike Lüttge. Und diese fragte nach ihrem Anliegen. „Sie sind Krankenschwester? Und sie würden gern Nachtdienst machen? Dann kommen Sie doch zu mir in die Pulvermühle!“, sagte Ulrike Lüttge, die schon nach wenigen Minuten einen sehr guten Eindruck von der Bewerberin hatte.

So kam es, dass Katja Mäder von 1994 bis 2010 in der Pulvermühle als Nachtwache tätig war. Von einem kurzen Ausflug ins Darmstädter Hospiz, das sie ab 2009 tagsüber mit aufbaute und ab 2011 sieben Monate lang leitete, kehrte sie im August 2011 als Teamleiterin in die WG 2 der Pulvermühle zurück. In der Zwischenzeit hatte sie 1997 Zwillinge geboren, 2003 die Hochschul-Zugangsprüfung abgelegt, dann Pflegemanagement und Gesundheitswissenschaft studiert und die Palliativ-Care-Qualifikation erworben – alles zusätzlich zu ihrem nächtlichen Dienst in der Pulvermühle und ab 2008 auch als alleinerziehende und -verdienende Mutter, die zusätzlich noch Nebenjobs machte, um genügend Geld zu verdienen. Tiefe Verneigung vor einer solchen Leistung, die eigentlich zwei bis drei Menschen auslasten würde!

Aus der langen Zeit kennt Katja Mäder alle BewohnerInnen und Mitarbeitenden der Pulvermühle bestens, mit vielen ist sie „alt“ geworden. Deshalb stehen die Aussichten gut, dass sie ihre Leute in den nächsten Jahren gut begleiten wird. „Was ich mir wünsche ist, dass wir uns gemeinsam weiterentwickeln und die Veränderung positiv, als eine Chance zu sehen.“ Die Pulvermühle als Wohneinrichtung für die NRD in den nächsten Jahren aufzugeben, hält Katja Mäder für die richtige Entscheidung. „1994, als hier die ersten Menschen aus dem Heimgelände hinüberzogen – fast nur junge und sehr fitte Leute – da war das ein passendes Angebot“, sagt sie, „inzwischen leben hier viele ältere Menschen und rund ein Viertel der BewohnerInnen braucht Pflege.“ Das bedeutet, dass die baulichen Bedingungen, die vor 23 Jahren passend waren, heute unpassend sind: Große Wohn- und Gemeinschaftsräume und große Treppen innerhalb der Wohnbereiche stehen sehr kleinen Zimmern gegenüber, in denen es nur Waschbecken gibt. Gemeinschaftsbäder und Toiletten für mehrere Personen. Und je eine Tagesgruppe in den Häusern 23 und 25. „Das heißt, dass sich tagsüber, während die BewohnerInnen arbeiten, bis zu 15 Personen aus allen fünf Häusern in zwei Gruppen aufhalten, die eigentlich Wohnungen anderer Menschen sind“, erklärt Katja Mäder, „kein idealer Zustand. Das ist doch kein Privatleben, wenn Nachbarn von nebenan tagsüber in meinem Wohnzimmer sitzen und essen.“

Es ist gut, dass wir inzwischen so weit sind, die Wohnbedingungen für Menschen mit Behinderung an unseren eigenen zu messen. Und es ist gut, dass Menschen wie Katja Mäder, die das Leben auch von der härteren Seite kennen, Mitarbeitende und BewohnerInnen in Veränderungsprozessen begleiten.

 
  • Inklusion...

    ... bedeutet, dass es keine Grenze gibt, die "behindert" von "nicht-behindert" unterscheidet. Das Wichtigste, um Inklusion zu erreichen, ist Zusammensein von Anfang an. 

    Inklusion...
    Andrea Söller,
    Vorsitzende Werkstattrat der Mühltal-Werkstätten
Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie

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